Stickmotive aus Stoff – Mini Pixel Quilts mit Quilter’s Grid nähen

Kissenhülle mit Hibiskusblüten-Motiv, genäht als Pixel Quilt mit Quilter's Grid

Wußtest du, dass du Vorlagen für Kreuzstich auch nähen kannst? Und Vorlagen für geknotete Armbänder? Und Bügelperlenbilder? Und Diamond Painting?

Ich entschuldige mich jetzt schon mal, falls du dich auch so leicht von verrückten Ideen anfixen lässt. Brauche ich noch eine weitere Technik auf meiner niemals endenden To-Do-Liste? Brauche ich noch eine Entschuldigung, warum ich Stoffstückchen ab 1 Inch und größer nicht wegschmeiße? Natürlich nicht! Aber gut, ist jetzt zu spät ;-)

Und nein, ich habe nicht angefangen, kleine Quadrate einzeln aneinander zu nähen, sondern ich habe die Motive mit dem „Quilter’s Grid“ Vlies umgesetzt.

Oben siehst du meinen ersten Versuch, eine Kissenhülle mit Hibiskusblüte. Die Vorlage dafür war tatsächlich ein Stickmotiv, das ich auf Pinterest gefunden habe. Für meine Anleitung im Patchwork Magazin habe ich eine eigene Vorlage erstellt für einen Wandquilt mit Schmetterling:

Materialpackung Wandquilt "Schmetterling" - Patchwork Magazin 5/26

Möchtest du den Schmetterling selber nähen? Hier findest du die Materialpackung passend zur Anleitung im Patchwork Magazin 5/26:

Welche Vorlagen eignen sich?
  • Kreuzstichmotive
  • Bügelperlen
  • Diamond Painting
  • Armband knoten
  • Pixel Art
  • Malen nach Zahlen (wenn mit Quadraten gearbeitet wird)

Voraussetzung für alle: die Vorlage muß ein klares Raster aus Quadraten haben. Gerade bei Bügelperlen oder Armbändern solltest du darauf achten, da gibt es auch runde Grundmuster oder versetzte Reihen. Achte bei Armbändern zum Beispiel auf das Stichwort „Alpha“.

Achte auf die Größe! Natürlich kannst du theoretisch jede Größe nähen, wenn du viel Zeit und Geduld hast (!), aber bedenke, dass die genähten Endergebnisse VIEL größer werden als zum Beispiel Stickmotive. Ein Motiv mit 35 x 35 „Stichen“ oder Stoffquadraten ist nach dem Zusammennähen, also ohne Nahtzugaben, immer noch 17,5 Inch oder 44,5 cm groß.

Das deutsche Quilter’s Grid von Vlieseline liegt 90 cm breit, das sind maximal 35 brauchbare Pixel in einer Reihe. Amerikanische Vliese liegen breiter, hier sind bis zu 47/48 Pixel möglich. In die andere Richtung hast du bei Meterware natürlich viel mehr Spielraum und du könntest auch mehrere Bahnen später aneinander nähen.

Generell eignen sich alle Patchworkstoffe. Da die Quadrate am Ende wirklich klein sind, solltest du auf große Muster natürlich verzichten. Unis, falsche Unis, klein gemustert Ton-in-Ton, sanfte Farbverläufe, Aquarell-Optik, uni Batikstoffe – das sollte alles gut funktionieren.

Außerdem: je feiner und dünner desto besser. Also eher Art Gallery oder feine Digitaldrucke als Stoffe mit blickdichter Druckfarbe, die schon mal etwas fest und steif sein können.

Das kannst du teilweise sehr leicht ausrechnen. Viele Kreuzstichvorlagen zum Beispiel zeigen dir an, wieviele Stiche du pro Garnfarbe machen mußt. Die Angabe überträgst du einfach auf deine Stoffquadrate. Rechne pro 1-Inch-Stoffstreifen 40 Quadrate (aus manchen bekommst du vielleicht 1 oder 2 mehr, aber zum Kopfrechnen ist das einfacher). Sagt die Vorlage zum Beispiel, dass du von einer Farbe 112 Quadrate brauchst, kannst du 3 Streifen einplanen (112 / 40 = 2,8 -> aufrunden auf 3).

Ganz ehrlich: ich würde es dir nicht für eine Sofadecke empfehlen. Das eingebügelte Vlies macht die Stoffe fester (wenn auch nur ein wenig), und die ganzen Nahtzugaben tun ihr Übriges. An jeder Stelle hast du vier Lagen Stoff-Vlies-Mix, und das ist nur die Vorderseite. Wenn du andere Erfahrungen gemacht hast, lass es mich gerne wissen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass so eine Decke mal knuddelig weich wird.

Ich würde daher sagen, mach alles, was flach liegen oder hängen darf: Tischläufer und Mitteldecken, Wandquilts, Mini Quilts, vielleicht sogar Topflappen. Da ist das extra Material sicherlich hilfreich. Spanne kleinere Motive in Stickrahmen und häng sie an die Wand oder präsentiere etwas größere Motive in Bilderrahmen.

Das 35 x 35 Raster ist mit seinen 44,5 cm auch gut für Kissenhüllen.

Generelle Tipps

  • Bevor du loslegst: lege dein Quilter’s Grid mit der Rückseite auf ein großes Stück Thermolam, Molton oder ähnliches. 1. siehst du das Raster auf dem hellen Hintergrund besser, 2. kannst du so alles leichter transportieren falls notwendig, weil das dünne Quilter’s Grid alleine einfach in sich zusammenfällt, 3. kannst du einfach direkt darauf bügeln, 4. habe ich das Gefühl, dass so alles weniger rutschig ist und die Quadrate besser von alleine liegenbleiben.
  • Überlege dir, wie du vorgehen möchtest: reihenweise? nach Farben? Ich beginne zum Beispiel gerne in der Mitte und verteile erstmal alle Quadrate einer Farbe. Ich glaube nicht, dass es hier ein „richtig oder falsch“ gibt.
  • Ich habe festgestellt, dass es besser ist, wenn die Quadrate ein ganz bisschen zu klein sind und dazwischen ein winziger Schlitz frei bleibt, als wenn sie sich überlappen. Das erschwert das Zusammenklappen der Reihen nur unnötig und macht auch das Zurückschneiden der Nahtzugaben schwieriger.
  • Du kannst zwischendurch schon mal festbügeln, was du ausgelegt hast. Dann musst du keine Angst haben, dass alles durcheinander gerät, bloß weil du mal nießen mußt oder aus Versehen mit deinem Ärmel irgendwo drankommst. Um dir dabei dein Bügeleisen nicht zu versauen, weil vermutlich einige Stellen des Vlies (mit dem Kleber) noch nicht mit Stoffquadraten bedeckt sind, mußt du auf jeden Fall etwas zum Schutz dazwischen legen: das kann ein Stück Backpapier oder Dauerbackfolie sein oder ein „Pressing Sheet“, eine Bügelfolie, die eigentlich das gleiche ist, wie die Backfolie – eine sehr dünne Matte aus Teflon, sehr beweglich. Meine ist braun und leicht durchsichtig, da kann ich gut sehen, was ich mache.

Allgemeine Vorgehensweise beim Pixel Quilt

  • Vor einigen Monaten hatte ich bereits ein Anleitungsvideo zum Thema „Arbeiten mit Quilter’s Grid“ hochgeladen, den Link findest du weiter unten. 
  • Dadurch, dass hier mit 1 Inch Quadraten gearbeitet wird, ist es auf der Rückseite mit den ganzen Nahtzugaben schnell etwa „eng“. Ich habe mich nach dem Aufbügeln für einen sehr „strengen“ Ablauf entschieden:
    • eine Reihe nähen,
    • bei dieser Reihe sofort mit Lineal und Rollschneider die Nahtzugabe 1-2 mm zurückschneiden – das hilft auch dabei, dass die Nahtzugaben sich gleich nicht berühren oder überlappen –
    • die Nahtzugaben auseinander bügeln, damit alles möglichst flach liegt. Hier hilft es, wenn man ein Bügeleisen mit einer feinen Spitze hat, die man zwischen den beiden Stofflagen durchschieben kann. Und nein, ich habe auf der Rückseite keinerlei Probleme gehabt, wenn mein Bügeleisen direkt auf das Vlies gekommen ist. Es ist nicht geschmolzen oder hat an der Bügelsohle geklebt. Probiere das im Zweifelsfall vorher mit deinem Bügeleisen an einer unauffälligen Stelle aus
    • erst dann habe ich die nächste Reihe genäht
    • nachdem ich alle Reihen genäht hatte, habe ich das ganze Teil auf der Vorderseite mit etwas Wasser eingesprüht (mein Bügeleisen hat keinen Wassertank!) und es nochmal richtig schön platt gebügelt. Ich weiß, dass der Hersteller schreibt, dass dieses Vlies trocken aufbegügelt werden soll (was ich ja rein technisch auch gemacht habe ;-), aber das Endergebnis sah einfach viel besser aus und ich konnte keine negativen Nebeneffekte erkennen. Wenn du da andere Erfahrungen gemacht hast, hinterlasse gerne einen Kommentar.
  • da ich von Natur aus eher faul bin, habe ich auch erst versucht, mehrere Reihen zu nähen, bevor ich mich um die Nahtzugaben gekümmert habe, aber in diesem Fall zieht sich das Projekt erstmal so heftig zusammen, dass es schon schwierig geworden ist, es überhaupt glatt und gerade hinzulegen, geschweige denn das Lineal ordentlich aufzulegen, um die Kante minimal abzuschneiden. Ich hab’s als Sport betrachtet:
    an die Maschine und nähen
    zur Schneidematte und Nahtzugabe zurückschneiden
    zum Bügelbrett und Nahtzugaben auseinanderbügeln
    zurück zur Maschine
    ;-)

Hier sind noch ein paar Impressionen von beiden Projekten:

Links

Hier findest du Vorlagen, die du für so ein Projekt nutzen kannst. Wenn du noch weitere Quellen hast, immer her damit.

Video auf YouTube ansehen

Hast du diese Technik mal ausprobiert? Dann teile deine Erfahrung mit uns und lade doch mal ein Foto vom Ergebnis hoch, wir würden uns freuen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Durch Abschicken des Formulares wird dein Name, E-Mail-Adresse und eingegebene Text in der Datenbank gespeichert. Für weitere Informationen wirf bitte einen Blick in die Datenschutzerklärung.

Maximale Uploadgröße: 10 MB. Diese Formate kannst du hochladen: Bild. Drop files here